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Marburger legten in Thal einen Kranz für die Toten von Mechterstädt nieder

Gedenkfeier für ermordete Arbeiter

Artikel aus der "Marburger Neuen Zeitung", vom 01.04.2005

Marburg. (mm). Zu den dunkelsten Kapitel in der Marburger Geschichte gehört der 25. März 1920. In jener von bürgerkriegsähnlichen Wirren geprägten Zeit zogen Marburger Verbindungsstudenten mit dem "Studentenkorps Marburg" nach Thal in Thüringen, um einen "Arbeiteraufstand" niederzuschlagen. Sie ermordeten 15 Menschen: Alle Opfer wurden "auf der Flucht erschossen" - von vorne. Am Karfreitag legte eine Marburger Delegation am Mahnmal für die Getöteten einen Kranz nieder.


Eine Marburger Delegation mit Stadtrat Klaus Sprywald (links) legte zur Erinnerung an die 15 Arbeiter, die im März 1920 von Marburger Studenten ermordet wurden, einen Kranz vor dem Mahnmal in Thal in Thürigen nieder. (Foto: privat)

Zu Ehren der Toten und wider das Vergessen, so der ehrenamtlich Marburger Stadtrat Klaus Sprywald (SPD), habe er im Auftrag des Magistrats den Kranz niedergelegt, sagte der Kommunalpolitiker nach seiner Rückkehr im Gespräch mit dieser Zeitung. Ein weiterer Kranz aus Marburg wurde im Auftrag des Präsidenten der Philipps-Universität vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und von der Marburger Geschichtswerkstatt niedergelegt.

Walter Bernsdorff von der Geschichtswerkstatt zitierte während der Gedenkfeier aus dem "Marburger Studentenlied", mit dem Kurt Tucholski 1920 die Morde anprangerte: "Wir fingen fuffzehn von dem Pack, das unser Preußen schädigt. Es war ein schöner Märzentag, wir haben sie erledigt. Sie sind von uns erschossen worn. Doch ganz in Recht und Züchten, zwar sitzen ihre Wunden vorn. Man kann auch rückwärts flüchten."

Im Anschluss an die Kranzniederlegung, so Sprywald weiter, wurden die 40 Teilnehmer der Veranstaltung ausführlich über die damaligen Geschehnisse und die Auswirkungen bis in die heutige Zeit informiert. Die eigens komponierten Lieder eines Lehrers aus Ruhla (Wartburgkreis) zur Trauer einer Mutter und eine szenische Lesung über die Haltung der damaligen Presse zur Wahrheit rührten die Teilnehmer an und stimmten sehr nachdenklich, berichtet der Stadtrat. Zum Abschluss, so Sprywald weiter, habe man den Gedenkstein an der Straße von Mechterstädt nach Gotha besucht, wo vor 85 Jahren die Arbeiter ermordet worden waren.

Seit 1991 bestehen menschliche und politische Kontakte zwischen Bürgern aus Thal und Umgebung und Marburger Bürgern. Sie dienen nicht nur der Aufarbeitung der Morde von Mechterstädt, sondern sollen auch die neu aufkeimenden Gefahren durch Neonazis aufzeigen und diesem Ungeist entgegenwirken, sagte Sprywald abschließend.

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