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Russen besuchen Marburg

Frühere Zwangsarbeiter zu Gast

Artikel aus der "Marburger Neuen Zeitung", vom 12.07.2006

Marburg (ib). Bereits zum dritten Mal richtet die Marburger Geschichtswerkstatt in diesem Jahr eine Begegnungswoche mit ehemaligen Zwangsarbeitern aus, die im zweiten Weltkrieg zur Arbeit in Marburg gezwungen worden waren. Nachdem im Jahr 2003 Gäste aus der Ukraine und Italien und 2004 eine Gruppe aus Polen an der Begegnungswoche teilgenommen hatten, ist zur Zeit eine Gruppe von acht Personen aus Rußland in Marburg zu Gast.


Michail Aleksandrowitsch Popow, Galina Wassiljewna Warnatschewa, Sinaida Jegorowna Dremutschka und Sofija Jegorowna Timosenko sind zur Zeit in Marburg zu Gast.

Wie bereits in den vergangenen Jahren, wird das Projekt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Richtsberg Gesamtschule und der Emil-von-Behring Schule begleitet. Der älteste Gast ist Michail Aleksandrowitsch Popow. Der heute 80 Jahre alte Mann wurde mit seinem Bruder nach Deutschland verschleppt und hier drei Jahre lang zur Zwangsarbeit gezwungen. Zunächst arbeitete er bei einem Bauern in Todenhausen (Wetter) und ab 1942 bei den Marburger Behringwerken.

Die 74-jährige Galina Wassiljewna Warnatschewa wurde 1941 mit ihrer Mutter nach Deutschland verschleppt. Mutter und Tochter mussten für die Reichsbahn arbeiten. Auch Sofija Jegorowna Timosenko musste bereits im Alter von 16 Jahren, gemeinsam mit ihrer Mutter und drei Geschwistern, für die Reichsbahn arbeiten.

Ebenfalls zu Gast in Marburg ist die heute 70-jährige Sinaida Jegorowna Dremutschewa. Sie musste nach ihrer Deportation nach Marburg im Jahr 1944 in der Baracke "In der Knutzbach" leben.

Bei der feierlichen Begrüßung der Gäste gestern im Marburger Rathaus bedankte sich Oberbürgermeister Egon Vaupel bei den Gästen für ihre Bereitschaft, noch einmal nach Marburg zu kommen: "Es ist sicher nicht einfach, noch einmal an den Ort zu kommen, wo man so viel Angst und Verzweiflung erlebt hat. Sie waren damals ja noch alle Kinder."

Thomas Werther, der erste Vorsitzende der Marburger Geschichtswerkstatt, erinnerte in seiner Rede zunächst noch einmal an die Geschichte der Zwangsarbeit in der Universitätsstadt Marburg. Es sei wichtig, diese Chance zur Aufarbeitung zu nutzen. Gerade die Zusammenarbeit mit Jugendlichen sei hier von wichtiger Bedeutung.

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