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Stolpersteine - Steine gegen das Vergessen

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Isaak Julius Adler


Für Isaak Julius Adler.

Das Foto zeigt das Haus Elisabethstraße 15 im Jahr 2011
zur Stolperstein-Verlegung. Hier stand ursprünglich das bergseitige Torhaus
der beiden Torhäuser der Elisabethstraße. 1888 bis 1889 wurde das
jetzige Haus errichtet und 1905 eine Ladenfront eingebaut.
(Foto: Wagner, 2011)

Der Stein wurde verlegt am 29.09.2011.

HIER WOHNTE
ISAAK JULIUS ADLER
JG. 1865
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.10.1942

Isaak Julius Adler wurde am 30. August 1865 in Kelsterbach geboren. Verheiratet war er mit Klara Eschwege, die am 8. Dezember 1879 in Fulda geboren wurde. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, die Tochter Trude Adler, geboren am 19. Oktober 1906, und den Sohn Hans Adler, geboren am 7. Juli 1910.

Das ehemalige Geschäft "Rosa Erlanger, Inhaber Julius Adler". 1936 musste Isaak Julius Adler es verpachten. Links im Bild zu sehen: Julius Adler, der weiter in dem Haus wohnte. (Foto: privat)

Auf dem Foto links, aufgenommen 1930 im Marburger Schlosspark, sind das Ehepaar Adler mit Tochter und Sohn zu sehen. Von rechts: Klara Adler, Sohn Hans, Julius Adler und Tochter Trude. (Foto: privat)

Trude Adler heiratete Alfred Wertheim, der in Kassel geboren war. Wertheim war als junger Mann nach Marburg gekommen und hatte mit einem Partner die Lederhandlung Strauß in der Wettergasse 2 übernommen. Die Lederhandlung wurde auf Grund der Repressalien 1936 geschlossen.

Hans Adler besuchte das Philippinum und machte eine Ausbildung zum Kaufmann.

Dem Ehepaar Wertheim und Hans Adler gelang 1936 die Flucht in die USA. Julius Adler war zu dieser Zeit bereits Witwer. Seine Frau war am 1. Januar 1934 in Marburg gestorben. Er blieb in Marburg, da er sich einen Neuanfang nicht mehr zutraute.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten brach der Umsatz des Geschäftes in Folge der umfassenden Repressalien völlig ein. Ab 1936 war es nicht mehr zu halten. Isaak Julius Adler verpachtete das Bekleidungsgeschäft an Anna Ehlers und Luise Kley. Am 1. September 1936 eröffnete das Fachgeschäft für Damenmode, Inhaber Ehlers & Kley in der Elisabethstraße 15. In der Oberhessischen Zeitung vom 4. September 1936 war zu lesen:

"Besitzwechsel. Ein ehemals jüdisches Geschäft in der Elisabethstraße ist seit dem 1. September in arische Hände übergegangen und wird als Fachgeschäft für Damenmoden von der Firma Ehlers & Kley weitergeführt."


Oberhessische Zeitung am 29.08.1936

Adler weigerte sich sein Haus zu verkaufen. Kurz vor seiner Deportation am 6. September 1942 nach Theresienstadt musste er noch in das sogenannte Ghettohaus Wettergasse 2 umziehen. Am 30. Oktober 1942 starb er in Theresienstadt auf Grund der dort herrschenden - beabsichtigt herbeigeführten - katastrophalen Verhältnisse. Wir sprechen daher von Ermordung. Adler wurde 77 Jahre alt.

Nach seiner Deportation übernahm der Reichsfiskus das Haus. Bargeld, Briefmarken und seine Uhr wurden Adler bei der Deportation gestohlen. Sein Bankguthaben wurde beschlagnahmt, sein Mobiliar versteigert. Wasser- und Stromkosten für den Monat August 1942 in Höhe von 10 Mark und 65 Pfennig, die Adler nicht mehr bezahlen konnte, da er deportiert worden war, wurden von dem durch die Versteigerung erzielten Betrag abgezogen. Die Restsumme, einige tausend Mark, wurde durch das Finanzamt Marburg an den Reichsfiskus überwiesen.

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