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Stolpersteine - Steine gegen das Vergessen

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Familie Spier


Für Abraham Spier, Ricka Spier geb. Levita, Heinz Hermann Spier, Betty Franken geb. Levita. (Foto: Wagner, 2018)


Das Haus Stresemannstraße 11 im Jahr 2018. Das Haus direkt dahinter hat die Adresse Frankfurter Straße und gehörte ursprünglich nicht zu diesem Anwesen.
(Foto: Wagner, 2018)

Die Steine wurden verlegt am 18.10.2018.

HIER WOHNTE
ABRAHAM SPIER
JG. 1886
DEPORTIERT 1942
THERESIEMSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

HIER WOHNTE
HEINZ HERMANN
SPIER
JG. 1921
DEPORTIERT 1942
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

HIER WOHNTE
BETTY FRANKEN
GEB. LEVITA
JG. 1879
DEPORTIERT 1941
RIGA
ERMORDET

HIER WOHNTE
RICKA SPIER
GEB. LEVITA
JG. 1888
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

 

Abraham Spier wurde am 6. August 1886 in Leidenhofen geboren. Seine Eltern sind Anschel und Regine Spier geb. Katzenstein. Abraham Spier meldete sich zum 9. Mai 1919 in seinem eigenen Haus in der Moltkestraße 11, heute Stresemannstraße 11, in Marburg an. Sein Beruf wird mit Kaufmann beziehungsweise Viehhändler angegeben.

  

Abraham Spier als junger Mann. Kennkartenfoto von Abraham Spier vom 20.01.1938

Seine Ehefrau ist Ricka geb. Levita, die am 23. Januar 1888 in Cramberg geboren wurde. Ihre Eltern sind Heymann Levita und Eva (Hewe) geb. Arnstein, die aus Seelbach stammte. Cramberg liegt südwestlich von Limburg. 1900 hatte der Ort 560 Einwohner in 100 Häusern. 526 Bewohner waren evangelisch, 14 katholisch und 20 Einwohner waren Juden. Der Händler Heymann Levita hatte 1912 als erster einen Telefonanschluss in Cramberg. Die Nummer lautete: Amt Holzappel No. 3.

Ricka Levita hatte folgende Geschwister: Betty Levita verheiratete Franken, geboren am 8. November 1879, Eduard Levita, geboren am 1. April 1881, der Metzger in Cramberg war, Hedwig Levita verheiratete Straus, geboren am 6. Juli 1882. Hedwig Levita lebte mit ihrem Mann Benjamin Josef Straus in Bergh in den Niederlanden. Sie wurden von dort deportiert und ermordet. Ihr Wohnort Bergh erinnert mit Stolpersteinen an sie. http://www.berghapedia.nl (2018)

Ihre Schwester Betty war mit ihrem Mann Simon Franken in der NS-Zeit ebenfalls dorthin gezogen. Simon Franken starb dort am 6. Mai 1936. Am 5. Juli 1937 meldete sich die Witwe Betty Franken bei ihrer Schwester in Marburg in der Moltkestraße an.

Betty Franken wurde am 8. Dezember 1941 mit dem ersten Transport von Marburg aus ins Ghetto Riga verschleppt und ist dort ermordet worden.

In der Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem, gibt es für Betty Franken ein Gedenkblatt mit Foto.

Der Sohn des Ehepaars Abraham und Ricka Spier, Heinz Hermann Spier, wurde am 28. April 1921 in Marburg geboren. Die Eltern von Abraham Spier, Anschel und Regine Spier geb. Katzenstein, zogen am 3. Dezember 1927 nach Marburg zu ihrem Sohn in die Moltkestraße. Beide starben in Marburg kurz nacheinander am 9. Juli 1929 und am 1. Juli 1929. Sie wurden auf dem Marburger Friedhof beigesetzt.

Anschel Spier und Regine Spier. Foto: privat  
links: Grabstein des Doppelgrabes für das Ehepaar Regine und Anschel Spier auf dem Friedhof in Marburg. Foto: Andreas Schmidt

Außerdem wohnten noch der Bruder von Abraham Spier, Hermann Spier, in der Moltkestraße. Er ging am 17. August 1919 nach Düsseldorf und konnte in die USA flüchten. Eine Schwester, Bertha Spier, wohnte ebenfalls in der Moltkestraße und zog am 4. August 1920 nach Andernach, wo sie heiratete. Auch sie konnte flüchten. Ihre Nachkommen leben in den USA. Von Abraham Spier wurde nach dem Novemberpogrom 1938 die "Judenvermögensabgabe" von der Finanzverwaltung gefordert. Spiers wirtschaftliche Situation verschlechterte sich zusehends. Wie er in einem Brief schreibt, war sein Sohn körperbehindert und benötigte ständig ärztliche Hilfe. Das war ein Grund, warum er mit seiner Familie nicht flüchten konnte. Das Ehepaar Abraham und Ricka Spier und ihr zu dieser Zeit 21-jähriger Sohn Heinz Hermann Spier wurden am 6. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Abraham Spier wurde am 1. Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Mutter und Sohn befanden sich in dem Transport am 4. Oktober 1944 ebenfalls nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden.

Brief Spiers an das Finanzamt Marburg. Entschädigunsakte HStAWi

Die Geschwister von Abraham Spier, die in die USA flüchten konnten, kämpfen in den 1950er und 1960er Jahren einen zermürbenden Kampf um finanzielle Rückgabe der Vermögenswerte. Entschädigungsakte HStAWi

Die Patenschaft für die Gedenksteine hat der
Heimat- und Kulturverein Leidenhofen übernommen.

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