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Veranstaltungen 2006

Guantanamo am Rhein? - Veranstaltung mit Roland Müller

Keine Entschädigung für italienische Zwangsarbeiter

Wenn schon nicht allgemein verbreitet, so ist doch eine gewisse Empörung über die Situation der in Guantanamo internierten Häftlinge des von Präsident George W. Bush angeführten "Krieges gegen den Terror" spürbar. Kriegsgefangene, die keine sind ... ?

Solche Konstruktionen sind nicht einzigartig. Mit eigenartigen Argumentationen wurde in den letzten Jahren italienischen Zwangsarbeitern eine Entschädigung versagt. Nach der Kapitulation der italienischen Armee im Sommer 1943 wurde denjenigen italienischen Soldaten der Status von Kriegsgefangenen abgesprochen, die genug vom Krieg hatten. Als "Badoglio-Verräter" verachtet hatten sie mit dem militärischen Sonderstatus "Italienische Militärinternierte" im Deutschen Reich Zwangsarbeit zu leisten, bevor sie zu zivilen Zwangsabeitern gemacht wurde.

Als es an der Wende zum 21. Jahrhundert um Entschädigungsleistungen für das erlittene Unrecht ging, waren sie plötzlich wieder Kriegsgefangene gewesen ... und erhielten eben nichts.

Bei der Veranstaltung ging es nicht darum, den Nazi-Terror mit Guantanamo oder US-amerikanischer Politik zu vergleichen. Vielmehr wurde auf ein heutiges, fragwürdiges deutsches Verfassungsgerichtsurteil zum Status der ehemaligen italienischen Kriegsgefangenen, die dann zu Zwangsarbeiter wurden, hingewiesen.

Roland Müller zeigte bei der Veranstaltung im Café Roter Stern die Argumentslinien auf.


Albrecht Kirschnervon der Marburger Geschichtswerkstatt (links) und
der Freie Journalist Roland Müller. (Foto: B. Wagner)

 

 

Am Mittwoch, 3. Mai 2006, wurde im KFZ Kulturladen in Marburg ein Dokumentarfilm gezeigt: "Erzählte Geschichte, Eine alternative Stadtführung in Marburg mit Dieter Woischke".

Dieter Woischke, Jahrgang 1924, ist eine Institution in Marburg. Seine Berufung ist die Geschichte Marburgs, der Stadt, die ihm nach dem Krieg zur zweiten Heimat wurde. In der Wehrmacht kämpfte er als junger Mann bei den Fallschirmjägern. Diese Zeit und seine späteren Kontakte zu den Naturfreunden Marburg haben ihn geprägt. Sie haben ihn den Wahnsinn des NS-Regimes, die Unvernunft von Militarismus und von Großmachtbestrebungen erkennen lassen. Er zeigt in seinen Stadtführungen die Seiten Marburgs, die sonst gerne vergessen werden. Nach der Devise der Geschichtswerkstätten "Grabe, wo du stehst" verknüpft er die "große" Politik mit den lokalen Ereignissen.

Die Marburger Dokumentarfilmer Hans Magnus Pechel von "nextcut" und Peter Münz haben aus Woischkes alternativem Stadtrundgang im Auftrag der Marburger Geschichtswerkstatt einen Film erarbeitet, der nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch die Persönlichkeit Woischkes eindringlich beleuchtet.

Im Anschluss an die Filmvorführung bestand die Möglichkeit zum Austausch mit Dieter Woischke und den Filmemachern.


Thomas Werther, 1. Vorsitzender der Geschichtswerkstatt, Dieter Woischke, Stadtführer und Kenner der Marburger Lokalgeschichte, Hans Magnus Pechel, Dokumentarfilmer Firma nextcut, Marburg (v.l.n.r., Foto: B. Wagner).

Der Film kann bei der Firma nextcut erworben werden: als DVD für 16 Euro, als VHS für 12 Euro.

 

 

Die Ausstellung "Wege in die Vernichtung", zusammengestellt vom Staatsarchiv Würzburg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte in München, war vom 24. Januar bis 5. Februar 2006 im Marburger Rathaus zu sehen. Die Ausstellung stieß mit weit über 500 Besuchern - darunter einige Schulklassen - auf außerordentliches Interesse.


Die Ausstellung war von Oberbürgermeister Egon Vaupel eröffnet worden. 50 Interessierte waren gekommen. Der 1. Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, Dr. Thomas Werther (rechts), erläuterte die Situation der zuschauenden Nachbarn und der Marburger Juden und deren "Wege in die Vernichtung".

 

 

Am Freitag, dem 27. Januar 2006, sprach Thomas Lutz vom Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin über das Thema "Auschwitz - Vom Schauplatz des Völkermordes zur Gedenkstätte". Damit sollte an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz (Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus) erinnert werden.

Thomas Lutz

Zum 10. Mal wurde im Jahr 2006 der 27. Januar als Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Erstmalig wurde auch international der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz gedacht. Wie wenig der Tag jedoch im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert ist, zeigte die Veranstaltung auf dem Marburger Marktplatz: Wie jeden dritten Freitag im Januar ließ sich Heinz Rühmann als Schüler "Pfeiffer mit drei f" im Feuerzangenrausch zu nostalgischen Schülersentimentalitäten verführen.

Zu dem Vortrag von Thomas Lutz waren dennoch 25 Interessierte gekommen.

Lutz kennt die Gedenkstätte Auschwitz seit seiner Zivildienstzeit, in der er für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Besuchergruppen in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau betreute.

Er wies auch auf die Gefahren hin, Gedenkstätten für nationalistische und/oder politische Zielsetzungen zu missbrauchen. Sein Credo: Aufklärerische, gesellschaftskritische Geschichtsbetrachtung mache die Demokratie stark.

 

Veranstalter waren jeweils die Geschichtswerkstatt und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Marburg.

 

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