Geschichtswerkstatt Marburg e.V.    Forschung für Regional- und Alltagsgeschichte

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40-jähriges Jubiläum der Marburger Geschichtswerkstatt e.V.
Veranstaltung am 12. November 2024 im Historischen Rathaussaal Marburg

Vorsitzende Elisabeth Auernheimer: Einleitungsworte


Elisabeth Auernheimer,
Foto: © Andrea Freisberg

Verehrte Gäste, liebe Freundinnen und Freunde!

Ich möchte alle ganz herzlich begrüßen und freue mich, dass Sie zu unserer Jubiläumsveranstaltung hier in den Rathaussaal gefunden haben.

Lassen Sie mich mit einer Äußerung beginnen, die auf unsere Einladung hierher laut wurde: "Habt ihr als kritische Instanz in Marburg nicht etwas falsch gemacht, wenn euch heute die Stadt ihren schönsten Raum freiwillig zur Verfügung stellt?"

Nachdem wir uns damals nach einem eindrücklichen Vortrag von Theo Pinkus im Dezember 1983 zusammengefunden hatten mit der Idee, das Motto "Grabe, wo du stehst!" auch in Marburg konkret anzugehen, wurden wir von fast allen Seiten angefeindet: "Barfußhistoriker, linke Socken, Nestbeschmutzer" und so einiges mehr.

Wir wollten eine andere Geschichtsschreibung und etwas bewegen, unter anderem, dass bisher wenig beachtete historische Bausubstanz nicht einfach dem Erdboden gleich gemacht wird.

Vor allem aber wollten wir etwas bewegen für die Menschen, die unter der Geschichte gelitten hatten: dass das Unrecht, was ihnen angetan wurde, anerkannt wird.

Am 8. November 1984, einen Tag vor dem Gedenken an den Pogrom, haben acht Interessente als Reaktion auf den Pinkus-Vortrag dann die Geschichtswerkstatt Marburg gegründet.

Dass wir dem Zeitgeist auf die Sprünge helfen konnten – allerdings trotz Universität in unserer Stadt oft nur mit Mühe und gegen große Widerstände – das werden wir in vielen der Berichte gleich anschaulich noch einmal vor Augen geführt bekommen.

Manches von dem, was damals Provokation für viele bedeutete, ist heute Teil der Marburger Erinnerungskultur geworden. Und so danken wir der Stadt Marburg, dass sie die oft unbequeme Geschichtswerkstatt als Gegenüber akzeptiert.

Allerdings werden wir versuchen, auch weiterhin herausfordernd und unbequem zu sein.

Heute müssen wir uns neuen Herausforderungen stellen. Denken wir an den Aufstieg der in Teilen neofaschistischen AfD, an das Erstarken rassistischer Ideologien und autoritären Denkens, an polarisierende Debatten um Krieg und Frieden auch in unserer Stadt.

40 Jahre sind eine lange Zeit, und dass es uns, gegründet als ein Generationsprojekt der 1980er Jahre, immer noch gibt, ist nicht selbstverständlich, haben sich doch in vielen anderen Städten Geschichtswerkstätten längst aufgelöst.

So möchte ich hier auch der prägenden und verstorbenen Mitglieder gedenken, die diese Feier nicht mehr erleben können: Ich nenne Barbara Händler-Lachmann, Wolfram Schäfer, Walter Bernsdorff, Susanne Fülberth, Angus Fowler und Ralf Berg.

Viele unserer ehemaligen Mitglieder, die das Leben in andere Gegenden verschlagen hat, sind für dieses Fest zurückgekommen und feiern heute mit uns.

Nun zum Ablauf:

Im ersten Teil werden Michael Heiny, Jürgen Roth, Thomas Werther, Michael Lemling und Klaus-Peter Friedrich Aspekte unserer Aktivitäten und Geschichte beleuchten.

Für die musikalischen Beiträge bedanken wir uns bei unserem Mitglied Stephan Nolte und seiner Band „Mixed Pickles“.

Im zweiten Teil wird Regine Hommel ein sicherlich intensives Gespräch moderieren, das sich mit den im ersten Teil gemachten Ausführungen auseinandersetzen kann, vor allem aber auch den Blick in die Zukunft riskieren soll.

Nach der Veranstaltung laden wir Sie zum Austausch ins Foyer ein.

Zuerst aber bitte ich die Stadträtin Frau Wölk, die als Vertreterin des Oberbürgermeisters gekommen ist, um ihr Grußwort.

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