Geschichtswerkstatt Marburg e.V.    Forschung für Regional- und Alltagsgeschichte

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Grabe, wo Du stehst!


Collage, Marburgs "Nadelöhr" vor der Erweiterung zum heutigem Rudophsplatz

 

Die Geschichtswerkstatt Marburg ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich für die konkrete Geschichte ihres Lebens- und / oder Arbeitsortes interessieren. Scheinbar Banales und Alltägliches ist bedeutsamer als es der erste Blick vermuten lässt. Denn auch „die da unten“ machen, erfahren und erinnern Geschichte. Sich darum zu kümmern hat sich die Geschichtswerkstatt zum Ziel gesetzt.

 

Deshalb „graben“ wir nicht nur in Archiven und Bibliotheken. Vielmehr stellen wir die Erfahrungen gewöhnlicher Menschen in und mit Marburg, ihre Sicht auf das Geschehene, ihre Erinnerungen, ihr Leben, ihr Umfeld ins Zentrum unserer Arbeit, ohne dabei die lokale und „große“ Politik zu übersehen.

Bei einer Aktion der Geschichtswerkstatt: die Mitbegründerin Barbara Händler-Lachmann.

 

1984 gegründet sind wir zurzeit etwa 35 Mitglieder. Viele haben ihren jeweils eigenen Arbeitsschwerpunkt. Nicht selten aber ziehen wir dann an einem Strang, wenn unserer Ansicht nach ein wichtiges Thema auf lokaler Ebene Beachtung finden sollte.

 

Häuserkampf: Brauerei Missomelius und altes Landgerichtsgefängnis

Verwaltungsgebäude des Landgerichtsgefängnisses in der Wilhelmstraße.

Insbesondere in den 1980er Jahren engagierte sich die Geschichtswerkstatt, alte erhaltenswerte Gebäude vor dem Abriss zu retten. Im Fall der Brauerei Missomelius in der Cappelerstraße ist dies gescheitert, heute steht dort ein ästhetisch zweifelhaftes Gebäude. Das Landgerichtsgefängnis in der Wilhelmstraße dagegen ist unter Denkmalschutz gestellt worden; der Verwaltungstrakt ist erhalten.

 

Geschichte jüdischen Lebens in Marburg

Seit Beginn beschäftigt sich die Geschichtswerkstatt mit dem jüdischen Leben in Marburg vor 1933 sowie mit Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung zwischen 1933 und 1945. Dabei entstand u.a. ein Gedenkbuch, das das Schicksal der Jüdinnen und Juden im alten Landkreis Marburg aufzeichnet, ein Buch zu „Arisierungen“ jüdischen Eigentums im Nationalsozialismus in Marburg und eine Publikation zum jüdischen Leben im Landkreis Marburg. Immer am 6. September erinnern wir auf dem Bahnhof gemeinsam mit der Stadt Marburg, der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an den Tag der letzten Deportation aus Marburg im Jahr 1942.

 

NS-Militärjustiz

Seit Anfang der 1990er Jahre setzten sich Mitglieder der Geschichtswerkstatt dafür ein, dass für die vom Marburger Kriegsgericht verurteilten Deserteure ein Denkmal aufgestellt wird. Hierzu fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die bundesweit Beachtung fanden. Darüber hinaus gab die Geschichtswerkstatt eine Monografie zum Marburger Kriegsgericht heraus. Nachdem das Denkmal eine jahrelange Odyssee an verschiedenen Standorten hinter sich gebracht hatte, wurde es 1999 von der Stadt Marburg in der Frankfurter Straße aufgestellt.

Das Deserteurdenkmal in der Frankfurter Straße in Marburg. [Foto: privat]

 

Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg

Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich seit 1999 mit der Zwangsarbeit in Marburg während des Zweiten Weltkriegs. Da eine Fülle von Unterlagen gefunden wurde, erschien nicht nur ein umfangreicher Band veröffentlicht, sondern erhielten annähernd 200 ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter symbolische Entschädigungen. Zwischen 2003 und 2006 organisierte die Geschichtswerkstatt mit vielfältiger Unterstützung drei Begegnungswochen in Marburg.

Sowjetische Kriegsgefangene 1944 in der Ockershäuser Allee. [Foto: K. von Baumbach, Sammlung Peter / Henrich, Fronhausen]

 

Kooperationen

Wir denken, dass historische Ereignisse und Zustände möglichst klar benannt und bewertet werden müssen. Das heißt aber nicht, dass unsere Sicht auf die lokale Geschichte der Wahrheit letzter Schluss ist. Um in Marburg etwas zu bewegen, arbeiten wir mit Initiativen, Vereinen und Institutionen zusammen. Bislang kooperierten wir bei Projekten und Veranstaltungen mit:

  • Projekt Konservatismus und Wissenschaft
  • Förderkreis Alte Kirchen
  • AStA der Philipps-Universität
  • Stadtarchiv Marburg
  • Strömungen e.V.
  • Gewerkschaften
  • Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
  • G-Werk
  • KfZ
  • Arbeitskreis Stolpersteine
  • Radio Unerhört Marburg
  • Hessisches Landestheater Marburg
  • Hessische Landeszentrale für politische Bildung
  • und vielen anderen mehr

Darüber hinaus begleiten wir Marburger Schulgruppen bei der Erarbeitung (lokal-) historischer Projekte.

Neue Mitglieder sind willkommen. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich bitte an uns. Bitte haben Sie etwas Geduld, wir sind ehrenamtlich tätig. Nach Rücksprache kann unsere Bibliothek und unser Archiv benutzt werden.

Die Geschichtswerkstatt Marburg ist ein eingetragener und gemeinnütziger Verein, Spenden sind daher steuerlich absetzbar.

Bankverbindung:
Sparkasse Marburg-Biedenkopf
IBAN: DE84 5335 0000 1018 0244 18
BIC: HELADEF1MAR

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