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Stolperstein als "Stein des Anstoßes"?

Erinnerungsstein in der Schückingstraße erneut entwürdigt

Artikel von B. Wagner aus der "Marburger Neuen Zeitung", vom 04.11.2006

Zum zweiten Mal seit seiner Verlegung wurde der Stolperstein entwürdigt, der an den Professor Hermann Jacobsohns erinnert. Stolpersteine werden vom Kölner Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an NS-Opfer in die Pflasterung eingefügt.


Besonders betroffen von den wiederholten Angriffen auf den Erinnerungsstein für Hermann Jacobsohn sind seine in Marburg lebenden Verwandten. Ruth Verroen, Enkelin von Hermann Jacobsohn poliert die Messingplatte des Gedenksteines. (Foto: B. Wagner)

 

Direkt nach seiner Verlegung war der Erinnerungsstein, der vor dem ehemaligen Wohnhaus des Hermann Jakobsohn in der Schückingstraße 24 verlegt worden war, wieder herausgebrochen worden. Das war im März diesen Jahres. Der Stein konnte aber von dem Künstler, der das Projekt ins Leben gerufen hat, kurz nach der Tat wieder eingesetzt werden.

Die dazu gehörende Messingplatte ist mit dem Geburts- und Sterbedatum Jacobsohns und dem Zusatz "Flucht in den Tod" versehen. Der damals 53-jährige jüdische Professor hatte sich nachdem er durch die Nazis 1933 aus dem Staatsdienst ausgeschlossen worden war, am Marburger Südbahnhof von einem Zug überfahren lassen.

Prinzip des Projektes ist es unter anderem, dass die Steine über die viele Menschen gehen, blank und gut sichtbar sind. Die Steine an weniger frequentierten Stellen hingegen laufen dunkel an. Der Teil der Stückingstraße, in dem das ehemalige Haus der Jacobsohns liegt, wird von Fußgängern wenig benutzt.

Dennoch war es einem Nachbarn und Mitglied des Arbeitskreises Stolpersteine aufgefallen, dass der Stein nun wieder mutwillig beschädigt worden war. Er war mit einer dicken Schickt Kleber oder Isoliermasse beschmiert worden.

Der Lehrer Ludwig Luttropp, mit seinen Schülerinnen und Schülern ebenfalls an dem Projekt Stolpersteine beteiligt, benachrichtige die Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei nimmt das Geschehene sehr ernst, es wurde sogar eine Probe des Klebers genommen.

Am gestrigen Nachmittag trafen sich die noch in Marburg lebenden Verwandten Jacobsohns, Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine und zahlreiche von dem Geschehen beunruhigte Interessierte an dem Stein. Ludwig Luttropp entfernte mit Unterstützung der Anwesenden die Kleberschicht. Der Stein strahlt jetzt wieder messingblank und die Inschrift ist gut lesbar.

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