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Stolpersteine - Steine gegen das Vergessen

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Brüder Moses und Rosa Seligmann


Für Hugo, Siegfried und Ludwig Moses,
für Rosa Seligmann.


Das Haus am Barfüßertor 15 b.
 

Die Steine wurden verlegt am 11.05.2010.

HIER WOHNTE
HUGO MOSES
JG. 1887
DEPORTIERT 1942
IZBICA
SOBIBOR
ERMORDET

HIER WOHNTE
SIEGFRIED FRITZ MOSES
JG. 1891
DEPORTIERT 1942
IZBICA
SOBIBOR
ERMORDET 23.6.1942
MAJDANEK

HIER WOHNTE
LUDWIG MOSES
JG. 1899
DEPORTIERT 1942
IZBICA
SOBIBOR
ERMORDET

 

HIER WOHNTE
ROSA SELIGMANN
GEB. SCHÖNBERG
JG. 1883
DEPORTIERT 1942
IZBICA
SOBIBOR
ERMORDET

 

Die Familie Moses war Mitte der 1880er Jahre nach Marburg gekommen. Vater Moritz Moses eröffnete am Steinweg 36 die Firma "Deutscher Herren-Kleider-Bazar". 1910 wohnte er mit seiner Frau Mathilde und den sechs Söhnen Hugo, Julius, Max, Siegfried, Arthur und Ludwig Moses (Hugo Moses, geb. 23.2.1886, Siegfried Moses, geb. 13.7.1891 und Ludwig Moses, geb. 9.5.1899) in der Frankfurter Straße 57. Nach dem Tod ihres Mannes zog Mathilde Moses mit drei ihrer Söhne in den Roten Graben 2 in Marburg. Arthur Moses wurde Besitzer der Wäschefabrik "Progress" in Köln. 1923 kaufte er für seine Familie in Marburg das Haus in der Straße Barfüßertor Nummer 15 b. Hier wohnten seine Mutter und seine drei Brüder Hugo Moses, Siegfried Moses und Ludwig Moses.

Im Februar 1921 meldete Siegfried Moses einen Handel für Seifenpulver, Seife und Schuhcreme an, und ab 1924, unter Beteiligung seines Bruders Ludwig Moses, handelte er auch mit Farben. Allerdings reichte der Verdienst nicht für ihren Lebensunterhalt, weshalb ihr Bruder Arthur Moses sie von Köln aus unterstützte.

Die Brüder standen auf der nach dem Pogrom vom 9. November 1938 herausgegebenen "Arisierungsliste". Am 10. Dezember 1938 unterschrieben sie die Verfügung des Oberbürgermeisters von Marburg zur Schließung ihres Gewerbes. Arthur Moses unterstützte daraufhin die Brüder bis zu seiner Auswanderung 1939 nach New York mit monatlich 250 Reichsmark (RM) und der Lohnzahlung für ihre Haushälterin Rosa Seligmann.

Nach der "Arisierung" wurde das Haus der Brüder Moses zum Ghettohaus, das heißt hier wohnten zwangsweise außerdem die Familie Rosenberg und die Schwestern Agathe und Martha Oppenheim mit ihrer Mutter. Die Brüder Moses wurden am 31. Mai 1942 deportiert.

Die Marburgerin Lisa de Boor berichtet in ihrem Tagebuch: "In diesen Tagen kommen die letzten Juden aus Marburg fort. Die so lang vertrauten Gesichter der Brüder Moses verschwinden vom Barfüßertor. Der Davidstern geht unter."

Ludwig Moses, Siegfried Moses und Hugo Moses wurden in das Ghetto Lublin und von dort in das Konzentrationslager Majdanek deportiert. Einzig das Todesdatum von Siegfried Moses ist bekannt. Er wurde am 23.6.1942 ermordet. Seine beiden Brüder gelten als "verschollen", das heißt es ist nicht genau bekannt, wann und wo sie ermordet wurden.

Nach der Deportation der Brüder Moses bewarben sich 104 Personen um den Kauf des Hauses Barfüßertor 15 b, unter anderen ein Marburger Bürger mit der zynischen Begründung, "auch einen Teil dazu beigetragen zu haben, dass das Haus judenfrei wird."

Nach der Deportation der Brüder wurde das Haus geplündert. Dieser Tatbestand wurde 1952 gerichtlich festgestellt.

Rosa Seligmann geb. Schönberg wurde am 27.2.1883 in Welterod geboren. Der Ort gehört heute zur Verbandsgemeinde Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis. Rosa Seligmann war wahrscheinlich verwitwet. Der Name ihres Mannes ist jedoch nicht bekannt. Sie arbeitete als Haushälterin für die drei Brüder Moses. Zusammen wohnten sie am Barfüßertor 15 b, das später zum "Ghettohaus" wurde.

Rosa Seligmann wurde am 31. Mai 1942 mit den anderen Bewohnern des Hauses Barfüßertor 15 b deportiert. Sie wurde über das Ghetto Lublin in das Konzentrations- und Vernichtungslager Izbica/Sobibor verschleppt. Wann und wo genau sie ermordet wurde, ist nicht bekannt.

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